Am 19. Februar 2026 wurden in Passau zwei neue Stolpersteine verlegt, die an das Schicksal von Adelgunde Dölzer und Willi Heckmann erinnern. Die Steine wurden vom Künstler Gunter Demnig persönlich in der Lederergasse 33 sowie in der Roßtränke 9 gesetzt.
Zahlreiche Menschen begleiteten die Verlegung und die anschließende Gedenkveranstaltung im Festsaal St. Valentin. Besonders bewegend war die Anwesenheit der Angehörigen, die diesen Tag des Erinnerns mitgetragen haben. Ihre Präsenz machte deutlich, dass das Leid von Verfolgung und Entrechtung nicht mit einer Generation endet, sondern bis heute nachwirkt.
Die Stolpersteine
geben Adelgunde Dölzer und Willi Heckmann symbolisch einen Platz in Passau zurück – im Gedächtnis der Stadt und in unserem gemeinsamen Bewusstsein. Sie holen ihre Namen und Geschichten aus der Anonymität der Geschichte zurück in den Alltag.
Der Stolperstein für Adelgunde Dölzer wurde an ihrem ehemaligen Wohnort verlegt. Sie wurde 1907 geboren und im November 1940 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Nach Aufenthalten in den Heilanstalten Mainkofen und Regensburg wurde sie Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Tobias Waldherr, Vorsitzender des Stadtjugendrings Passau, erinnerte daran, dass ihr das grundlegendste aller Rechte genommen wurde: das Recht zu leben.
Der Stolperstein für Willi Heckmann wurde bewusst nicht vor einem Wohnhaus, sondern an jenem Ort gesetzt, an dem er musiziert hatte. In der Roßtränke 9 hatte er 1937 ein Engagement im Tanzlokal „Regina Diele“, wo er im Juli desselben Jahres von der Gestapo verhaftet wurde. Es ist der erste Stolperstein in Passau für einen von den Nationalsozialisten verfolgten homosexuellen Menschen. Heckmann wurde zunächst in München inhaftiert und später in die Konzentrationslager Dachau und Mauthausen deportiert. Dort spielte er im Lagerorchester Akkordeon und wurde 1945 befreit. Ein besonders berührender Moment war die Verlegung des Stolpersteins für Willi Heckmann. Dort wurde sein Lieblingslied „Weiße Chrysanthemen“ gespielt, vorgetragen von Gerhard Koschel vom 1. Akkordeonorchester Passau. Weiße Chrysanthemen wurden am Stein niedergelegt – ein stiller und bewegender Augenblick, der viele der Anwesenden tief berührte.
Die anschließende Gedenkveranstaltung
war von großer persönlicher Nähe geprägt. Gabi Dölzer und Klaus Stanjek gaben als Angehörige Einblicke in die Schicksale ihrer Familien. Auch ihre Beiträge machten deutlich, wie wichtig es ist, Erinnerung lebendig zu halten. Bürgermeister Andreas Rother sprach ein Grußwort, durch die Veranstaltung führte Tobias Waldherr. Besonders eindrücklich war zudem der Beitrag von Dr. Winfried Helm zur Erinnerung an die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde.
Von besonderer Bedeutung war auch das Engagement der Schülerinnen und Schüler, die sich intensiv mit den Lebensgeschichten von Adelgunde Dölzer und Willi Heckmann auseinandergesetzt haben. Durch ihre Recherche, ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihr Mitwirken am Erinnerungsprojekt wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass junge Menschen Verantwortung für eine lebendige Erinnerungskultur übernehmen. Ihr Einsatz zeigt, dass Erinnern nicht nur Vergangenheit bewahrt, sondern auch die Gegenwart und Zukunft mitgestaltet.
Organisiert wurde die Verlegung
und Gedenkveranstaltung vom Stadtjugendring Passau in Zusammenarbeit mit der Queerseelsorge des Bistums Passau und der Initiative „Wochen zur Demokratie“. Die bewegende musikalische Umrahmung übernahm die Spielgruppe des 1. Akkordeonorchesters Passau.
Die Patenschaften für die Stolpersteine übernahmen das Auersperg-Gymnasium Freudenhain, die Montessori-Schule Passau, das Gymnasium Leopoldinum, die Initiative „Wochen zur Demokratie“ sowie das 1. Akkordeonorchester Passau. Ermöglicht wurde die Umsetzung des Projekts durch die Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Passau & Hacklberg, des Bistums Passau, des Kulturamts der Stadt Passau, des Bezirksjugendrings Niederbayern und des Vereins für Ostbairische Heimatforschung e. V. Ebenso gilt unser Dank den Hauseigentümern, die die Verlegung der Stolpersteine unterstützt haben.
Stolpersteine
können das Geschehene nicht ungeschehen machen. Aber sie verhindern, dass Menschen und ihre Schicksale in Vergessenheit geraten. Sie laden dazu ein, im Alltag innezuhalten, den Blick zu senken und sich zu erinnern. So bleibt Geschichte sichtbar – und Erinnerung wird zu einer Haltung, die auch unsere Gegenwart prägt.
Text & Fotos: SJR Passau
Info:
>> Stolpersteine – ein KunstDenkmal von Gunter Demnig
